Die Coronakrise bringt derzeit die gesamte Weltwirtschaft durcheinander und hat das öffentliche Leben fest im Griff. Zunächst bleibt noch offen, wie die Welt nach der Pandemie aussehen wird. Doch was könnte das für die Wirtschaft in Lateinamerika bedeuten? Welche Sektoren sind weniger von der Coronakrise in Kolumbien und Peru betroffen und welche Chancen bieten sich trotz oder wegen der Krise?

 

Unsichere Zeiten für die globale Wirtschaft

Die Pandemie hat Lateinamerika nach wie vor fest im Griff. Lockdowns schränken das Leben in der Region weiterhin stark ein und einige Länder (allen voran Brasilien) weisen erschreckend hohe Zahlen an Neuansteckungen und Todesfällen auf. 

Noch immer ist unklar, ob es eine zweite globale Viruswelle geben wird und wann ein Impfstoff auf den Markt kommt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Wirtschaft seit Beginn der Krise in Peru und Kolumbien gänzlich still steht und es keine erfolgversprechenden Projekte für ausländische Investoren in naher Zukunft gibt. Objektiv betrachtet stehen die Chancen für Kolumbien und Peru gut, die Krise vergleichsweise rasch zu überwinden, da unterschiedliche Sektoren großes Potenzial aufweisen und attraktive Investitionsmöglichkeiten für internationale Unternehmen bieten.

 

Infrastruktur und öffentlicher Transport

In Kolumbien konnte der Bau- und Infrastruktursektor zeitnah unter strengen Sicherheitsbedingungen die Arbeit während der Krise wieder aufnehmen. Der Sektor ist besonders wichtig für das Wirtschaftswachstum des Landes und die Ansteckungsgefahr konnte dabei vergleichsweise niedrig gehalten werden.

Somit hält die Regierung trotz Krise an neuen Infrastrukturprogrammen fest, die sich nicht wie in vergangenen Jahren nur auf Autobahnen der vierten Generation (4G) beziehen, sondern bereits die sogenannte fünfte Generation (5G) der nachhaltigen Infrastruktur umfassen. Diese neuen 5G Projekte konzentrieren sich vorrangig auf die intermodale Infrastruktur, mit dem Ziel,  Zeit und Logistikkosten zu sparen und die Umwelt weniger zu belasten. Als soziale Komponente sollen lokale Gemeinschaften in die Projekte mit einbezogen werden. 

Mit der fünften Generation sind im ganzen Land Bauprojekte von neuen Zugstrecken, Flughäfen und auch die Schiffbarmachung des Rio Magdalena vorgesehen. Insgesamt wurden 24 Projekte bekanntgegeben, welche voraussichtlich um die 30 bis 40 Billionen Pesos (entspricht ca. 7 bis 10 Milliarden Euro) kosten werden. Hinzu kommen weitere geplante Megaprojekte, wie der Bau der ersten Metro-Linie in Bogotá, die in den kommenden Jahren interessant für deutsche Zulieferunternehmen werden könnten. Mit Ausführung der genannten Bauprojekte wird die inländische Infrastruktur verbessert, was langfristig Kosteneinsparungen in Transport, Logistik und Vorteile für den öffentlichen Verkehr mit sich ziehen wird.

Auch in Peru wird der private und öffentliche Bausektor eine starke Dynamik erfahren. Ein Teil des Konjunkturprogramms nach der Pandemie soll voraussichtlich mit dem sozialen Wohnungsbau verbunden sein und auch das verarbeitende Gewerbe könnte eine wichtige Rolle spielen. Derzeit versucht die Regierung Mechanismen zur Wiederaufnahme einiger Projekte zu entwickeln. Dabei werden große Erwartungen in Wiederaufbaumaßnahmen von z.B. Schulen und Krankenhäusern in vom El Niño Phänomens betroffenen Regionen gesetzt. Diese Arbeiten würden mit der Schaffung vieler Arbeitsplätze zum  Wirtschaftsaufschwung des Landes beitragen.

 

Wasseraufbereitung und erneuerbare Energien

Weitere bedeutende Projekte findet man im Wasser- und Abwassersektor in Kolumbien. Bisher wird nur ein sehr geringer Teil des Abwassers aufbereitet, weshalb Bogotá zwei Schlüsselprojekte zur Verbesserung des Sanitärsystems plant. Zum einen soll die Vergrößerung der Kläranlage „El Salitre“ unter der Beteiligung internationaler Unternehmen durchgeführt werden, welche nach der Ausführung ca. 3 Millionen Menschen abdecken soll.  Ebenso ist der Neubau der größten Kläranlage Lateinamerikas in Kolumbien geplant, wofür jedoch noch keine konkreten Pläne veröffentlicht wurden. Sicher ist, dass die Bauprojekte im Sanitärbereich nicht nur ökologische Effekte, sondern auch soziale Erfolge mit sich ziehen werden, wie beispielsweise die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Stärkung des Bewusstseins für Umwelt und Wasserressourcen.

Auch im Sektor der erneuerbaren Energien gehört Kolumbien zu den Vorreitern in  Lateinamerika. Insbesondere in der Solar- und Windenergie zeigt das Land großes Potenzial aufgrund seiner natürlichen Gegebenheiten, wie dem starken Wind an der Atlantikküste und der guten Sonneneinstrahlung dank der Nähe zum Äquator. In nächster Zeit sind viele Projekte zum Bau von Wind- und Solarparks geplant, in denen internationale Unternehmen ihre Chancen nutzen können. Die Regierung hat hierzu neue Regularien veröffentlicht, die Investitionen in alternative Energien fördern sollen. Auch kleinere Unternehmen können vor allem im Solarbereich bei der Montage oder Zulieferung von Anlagen auf Gebäuden wie Hotel-, Fabrik- oder Supermarktdächern unterstützen.

Ähnlich sieht die Situation in Peru aus. Durch vor kurzem entstandene Energieleitungen ist der Zugang zu natürlichen Energieressourcen vergleichsweise kostengünstig. Vor allem der Süden des Landes bietet hervorragende Konditionen für eine nachhaltige Energiewirtschaft. Es ist erwähnenswert, dass Peru alle Universitäten im Land auf nachhaltige Energien umstellen will und auch die Installation von Solaranlagen in ländlichen Gemeinden bietet Investitionsmöglichkeiten für Unternehmen.

Gerne beraten und unterstützen wir Sie im Bereich erneuerbare Energien in Lateinamerika.

 

Business Process Outsourcing (BPO) – Ein zunehmender Trend in Kolumbien

Durch die Corona Krise sind internationale Unternehmen gezwungen, ihre Versorgungs- und Wertschöpfungskette zu überdenken. Immer wieder aufkommende Schwierigkeiten in der Lieferkette lassen viele Unternehmen über eine regionale Produktion nachdenken. Dieser aktuelle Trend der regionalen Globalisierung macht Kolumbien vor allem für US-amerikanische Firmen, die ihre Produktionskosten senken und gleichzeitig die geografische Nähe wahren wollen, zu einem attraktiven Nearshoring-Ziel.

Insbesondere das Business Process Outsourcing (BPO) wird in Kolumbien in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Der Sektor hat sich bereits in den vergangenen Jahren als top Investment Destination in Lateinamerika etabliert. Schon jetzt beschäftigt der Sektor über 583.000 Mitarbeiter und ist somit einer der größten Arbeitgeber in Kolumbien. Zahlreiche ausländische Firmen lassen beispielsweise ihre BPO-Aktivitäten im Bereich Call Center, Customer Service, Softwareentwicklung, Webdesign oder Online Marketing ausführen. Internationale Marktführer wie Amazon haben große Investitionen getätigt und in Bogota ihr regionales Customer Service Center eröffnet, welches zum Teil virtuell geführt wird. Auch Johnson & Johnson hat kürzlich um die 20 Millionen US$ in Kolumbien investiert und dort sein Shared-Service-Center eröffnet.

Im regionalen Vergleich ist Kolumbien nach Brasilien, Mexiko und Costa Rica der viertgrößte BPO-Markt in Lateinamerika mit einem Marktvolumen von fast 23 Milliarden US$. Das Marktwachstum war in den vergangenen Jahren mit ungefähr 10% sogar das höchste der Region. Neben der attraktiven geografischen Lage und der zeitlichen Nähe zu den USA, schätzen Firmen die junge, gut ausgebildete Bevölkerung Kolumbiens, das tiefe Lohnniveau (welches derzeit durch einen schwachen Wechselkurs begünstigt wird), das technische Fachwissen sowie eine gute Infrastruktur.

 

Landwirtschaft und Spezialitätenchemie

Der Agrarsektor stellt sowohl in Kolumbien als auch in Peru einen wichtigen Exportsektor dar und wird für die Erholung nach der Krise eine entscheidende Rolle spielen. Während der Pandemie wurde weiterhin exportiert und positive Umsätze verschrieben.

In Kolumbien hat die Coronakrise in Verbindung mit einem sinkenden Rohstoffpreis zu einer Abwertung des kolumbianischen Peso um zeitweise bis 30% geführt. Hier besteht – trotz des guten Images deutscher Produkte – die Gefahr einer sinkenden Nachfrage nach teuren, importierten Produkten. Jedoch kann der Agrarsektor vom zur Zeit schwachen Peso profitieren. Exporteure von Produkten wie Kaffee, Bananen oder Avocados erzielen dadurch besonders gute Preise auf dem Weltmarkt. Des Weiteren eröffnen sich hier Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Firmen, die beispielsweise für die Lieferung von Agrarmaschinen oder -chemikalien zuständig sind.

„Die Unternehmen könnten einen Vorteil aus dem schwachen Wechselkurs ziehen und Kolumbien als Produktionsstandort festlegen. Deutsche Unternehmen wie z.B. Bayer in Barranquilla oder Fresenius und B. Braun in der Medizintechnik, machen dies bereits vor. (…) Jetzt mit dem schwachen Wechselkurs werden diese Unternehmen noch wettbewerbsfähiger sein.“

Edward Schuh, Germany Trade and Invest-Gesellschaft (GTAI)

Kolumbien als Produktionsstandort bietet durchaus viele Vorteile. Mit einer optimalen geographischen Lage, die Zugang zur Karibik- und Pazifikküste bietet, und als zweitgrößtes Land Lateinamerikas nach Brasilien, stehen Kolumbien sehr gute Produktions- und Exportmöglichkeiten zur Verfügung. Freihandelsabkommen mit Europa, den USA und den lateinamerikanischen Nachbarn erleichtern den internationalen Handel. Auch die bereits genannten Bauprojekte der fünften Generation könnten die noch ausbaufähige Infrastruktur innerhalb des Landes verbessern.

„Für westliche Firmen ist es nach wie vor ein interessanter Markt. Seit Jahren beobachten wir, dass fast unabhängig von den Sektoren, die Margen in Lateinamerika im Durchschnitt höher sind als in anderen Regionen, wie z.B. in Asien. (…) Meist ist Lateinamerika bei europäischen Unternehmen nicht erste Wahl, wenn es um deren internationale Expansion geht. Jedoch stellen wir immer wieder fest, dass wenn man sich auf dem lateinamerikanischen Markt positioniert hat, die Margen auf lange Sicht deutlich höher sind, was nicht zuletzt an der geringeren Konkurrenz in Lateinamerika liegt.“

Daniel Breitenmoser, CEO Ongresso

 

Peru zeigt eine stabile Makroökonomie

Mit einem Blick auf Peru lässt sich die geringe Schuldenquote vor der Krise betonen. Zusammen mit Chile hat Peru mit einem Anteil von ca. 27% die geringsten Staatsschulden in Lateinamerika, was dem Land jetzt in der Krise zugute kommt. Die Regierung hat ein sehr umfangreiches Konjunkturpaket von umgerechnet 26 Milliarden US$ geschnürt, in dem betroffene Sektoren direkt unterstützt und Kredite an Unternehmen vergeben werden sollen. Auch Zahlungen an ärmere Bevölkerungsschichten sind vorgesehen.

Im Mai und Juni konnten auch dank des Reaktivierungsplans fast 3 Millionen Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft neu geschaffen werden und es werden zusätzliche Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor erwartet. Die Regierung nutzt dabei die politischen und makroökonomischen Bedingungen, um eine strategische Wiedereröffnung durchzuführen. Auch länderübergreifende Regierungsvereinbarungen und das Programm “Arranca Peru” sollen das negative Wachstum minimieren und zur wirtschaftlichen Erholung beitragen.

 

Der Bergbau als wichtigster Wirtschaftssektor

Dem Bergbausektor wird bei der wirtschaftlichen Wiederbelebung Perus eine Schlüsselrolle zugeordnet. Dank eines agilen Umfelds, das von den peruanischen Behörden durch Bürokratieabbau geschaffen wurde, befindet sich die Branche in einer starken Position, um der Krise zu begegnen.

Einige Unternehmen haben die Produktion wieder hochgefahren, während vereinzelte Projekte noch unterbrochen sind, um entsprechend auf Nachfrageschwankungen zu reagieren. Obwohl die Gesamtexporte niedriger sind als im vergangen Jahr, konnten Metall-, Gold- und Kupferexporte Steigerungen in der Produktion und der Nachfrage verzeichnen. Dies deutet darauf hin, dass der Sektor gut aufgestellt ist, um nach der Krise wieder auf Kurs zu kommen. Unternehmen müssen sich jedoch an eine neue Situation anpassen, welche vor allem flexible Lösungen für Störungen in der Versorgungskette fordert. Dies bedeutet, dass Lieferketten durch Lokalisierung und Diversifizierung weniger risikobehaftet sein werden und dass die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften intensiviert werden muss.

Auch wenn deutsche Unternehmen in der Regel noch keine eigenen Fabriken betreiben, gibt es viele Zulieferer, die in Peru tätig sind. Die guten Rahmenbedingungen im Land sind hierfür gegeben und der stabile Wechselkurs in Peru, der auf fast gleichem Niveau wie vor der Krise ist, fördert eine positive Entwicklung.

 

Unabhängig von den verschiedenen Wirtschaftssektoren wird es nach der Krise für internationale Firmen von Vorteil sein, nach Leistungen zu suchen, die eine Marktbearbeitung und -kontrolle aus der Ferne ermöglichen. Flexible Strategien, wie die Anstellung eines externen Beraters welcher als Experte in der Region fungiert, werden von entscheidender Bedeutung sein. Die Krise wird das Konsumverhalten nachhaltig verändern und Unternehmen müssen sich den Herausforderungen im Hinblick auf die digitale Transformation und den Klimawandel stellen.

Vereinbaren Sie noch heute einen persönlichen Beratungstermin mit uns, um sich über unsere vielfältigen Lösungen für einen erfolgreichen Markteintritt und langfristiges Wachstum in Lateinamerika zu informieren.

Viktoria Schwarze

Viktoria Schwarze

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